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Die Geschichte des Franziskanerkloster

Kloster (13., 15., 18. Jhdt.)
2011
KulturTragWerk e.v. | Künstlerhausprojekt Weimar

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1200

Stadtmauerbau als Steinmauer um 1200 begonnen. Die Nordwestwand der Zeughausruine stellt vermutlich Mauerwerk der ehemaligen inneren Stadtmauer dar.

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1284

Sept.16.Graf OttoIII.( IV.) von Orlamünde siedelt den Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem im Stadtviertel um die St.Peterskirche bis zur Rittergasse im damaligen Stadtzentrum Weimars an.

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1304

In einer Oberweimarer Urkunde werden zwei "beginae"-Schwestern erwähnt. Frauen, die in klosterähnlicher Gemeinschaft lebten und sich nur an ein Gelübde auf Zeit banden, galten zu diesem Zeitpunkt als ketzerisch. 1319 wurde eine päpstliche Bulle erlassen, in welcher alle Beginen begnadigt wurden, die die Regel der Franziskaner-Tertiarier annehmen. 1319 werden die Tertiarierinnen in der Rittergasse erwähnt. Im 15.Jahrhundert wird ihre Zahl mit 16 angegeben.

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1424

Ein verheerender Stadtbrand vernichtet große Teile der heutigen Innenstadt. Hieraus wäre die Freifläche zu erklären, die in der westlichen Verlängerung der Rittergasse für eine Neuordnung innerhalb der Stadtmauer zur Verfügung stand. 

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1452

Der päpstliche Gesandte Johannes Capestrano hatte den Herzog 1452 zur Stiftung eines Klosters in Weimar "für sein Seelenheil" bewogen. Wilhelm III. hatte den Zusammenschluß und die Umsiedlung unwirtschaftlicher Klöster beabsichtigt.

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1453 

Der Gebäudekomplex befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Franziskanerklosters, das um 1453 im Auftrage Herzog Wilhelms III. der Tapfere erbaut wurde. Der Herzog hat in seinem Alter im Kloster gewohnt, kleidete sich als Mönch und wurde nach seinem Tode hier begraben. Weitere Klosterspuren befinden sich an der Nordseite des ehemaligen Kirchenbaues, die Konsolsteine vom ehemaligen Kreuzgang. Zu dem Franziskanerkloster gehörten noch Bauten, die an der Stelle des heutigen Wittumspalais von Anna Amalia standen.
Möglicherweise sind Mauerteile noch aus der Klosterzeit. Bauten, die auf dem ältesten Stadtplan aus dem 16. Jahrhundert erkennbar sind und nordwestlich den Klosterbereich begrenzten, sind zwar später barockisiert worden aber in der Grundanlage noch vorhanden. Die östliche Baukante des Klosters ist ebenfalls noch ablesbar mit den Sockelsteinen des im 2.Weltkrieg zerstörten Gebäude, das nach 1548 von Nikolaus Gromann auf dem verfallenen Beichthaus errichtet wurde.

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1457

Die vor dem Frauentor gelegene, 1336 ersterwähnte Marienkirche "Unserer lieben Frau" (am heutigen danach benannten Frauenplan) wird den Franziskanern vom Deutschorden abgetreten.

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1477

Ein Mönch namens Johannes Herwich aus Ilten (genannt Hilten) hatte lange vor Luther kirchenreformatorische Gedanken geäußert, erhielt daraufhin einen Ketzerprozeß, wurde in das Kloster nach Weimar verwiesen und dort lebenslänglich in „väterlichen Gewahrsam“ genommen. Diese Gefängniszeit soll er im Verlies des Weimarer Franziskanerklosters verbüßt haben. Verschiedene Weissagungen sind von ihm verbürgt, so die Ankündigung: „Es wird im Zeichen des Löwen ein Eremit aufstehen, der mächtig am Stuhl zu Rom rütteln wird.“ Dies wird von Melanchton erwähnt und später hat es Luther auf sich bezogen.

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1480

Die Klosterkirche wird vermutlich erst 1480 geweiht. Ein Patrozinum der Kirche ist nicht bekannt. Bis zu diesem Zeitpunkt diente die Marienkirche "Unserer lieben Frau" am Frauenplan den Franziskanern als Kirche. 

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1482

Wilhelm III. der Tapfere stirbt und erhält seine Grablege in der Kirche des Franziskanerklosters, seine Wittwe Katharina v. Brandenstein stirbt 1492 in Saalfeld

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1502 

Einen Monat vor seinem Tode ist Hilten in das Eisenacher Kloster verbracht worden. Ein Epitaph in der Eisenacher Georgenkirche erinnert noch an Hilten. 

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1508

Das Weimarer Kloster hat Martin Luther, der 1505 in das Erfurter Kloster eingetreten war, möglicherweise schon zu diesem Zeitpunkt besucht. 

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1511

Die Beginen tauschten ihre Häuser Rittergasse 13 u. 15. mit dem Denstedter Hof (Ecke Rittergasse,dem Mönchskloster gegenüber)

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1516

Der Franziskanermönch Friedrich Mecum (später Myconius) wurde nach Weimar versetzt und erhielt dort seine Priesterweihe. Er begegnete Luther 1518 in Weimar. Mecum begeisterte sich an Luthers Reden und eiferte ihm nach, so daß er in Ungnade
seines Ordens fiel, der Ketzerei bezichtigt und „väterlich bewacht“ wurde. Er wurde 1522 nach Eisenach, später nach Leipzig befohlen. Als Gefangener landete er 1524 bei Herzogs Georg im sächsischen Annaberg. Aus der Gefangenschaft konnte er
jedoch fliehen und bekam bei Herzog Johann in Gotha eine Predigerstelle.

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1518

Durchreise Luthers nach Augsburg wohin er zum Verhör über seine Thesen zitiert wurde. Seinen erkrankten Freund Philipp Melanchton hat er in Weimar gepflegt und nach eigener Darstellung wieder gesund gebetet.

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1520 

Der Mönch Johann Voith hat von Kurfürst Johan Friderich dem Beständigen „allerley schriften doctoris Lutheri“ beschafft bekommen und mit ihm diese „durchlaß“.  Johann Voith hat Luthers Lehren „auf die cantzel“ gebracht und die Zuhörer „ sie auch begirig aufnamen.“ Die Franziskaner haben heftig dagegen gepredigt, bis die Bürger erbost die Mönche zwangen „auf dem predigtstule“ zu „ liegen, das schier nichts guts were drauß worden"

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1523

Spitzen sich die Auseinandersetzung um das Kloster zu. Die Mönche „wolten den lutherischen prediger mit gewalt dempfen.“ Ein Klosterbruder der ein „messer im ermel hatte…bedrohte die schreier mit außgerecktem buttnersmesser, als wolte er sie auf die kopfe hauen..“

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1533

Nach der Reformation wurde der Franziskanerorden von landesfürstlicher Seite in Weimar nicht mehr geduldet und so zogen die Mönche am 21.November 1533 aus der Stadt. Die Beginen haben ebenfalls 1533 ihr Kloster in Weimar verlassen.

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1534

werden die Gebeine der im Kloster begrabenen Mitglieder der fürstlichen Stifterfamilie aus der Gruft unter der Kirche in die Stadtkirche St. Peter und Paul überführt. Das Kloster wird profanisiert.

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1548

Von der Klosteranlage existiert als früheste bildliche Darstellung ein Grundriß aus Jahre, als der Architekt des Stadtschlosses der Renaissancezeit Nicolaus Gromann seinen Fürsten darum bat, auf dem Klostergelände ein Wohnhaus errichten zu dürfen. Er dokumentiert dabei frühere Klosternutzungen, den bauliche Zustand und Funktionen aus der Mitte des 16.Jahrhunderts. Aus der Beschreibung Gromanns geht unter anderem hervor, dass an der Stelle des oben benannten Palaisfragments das Schlafhaus der Mönche stand und nach der Reformation ebenso profan wie die ehemalige Klosterkirche als „schuttung“ – Kornspeicher nachgenutzt wurde.


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Dipl.-Ing. Architekt
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